Kreideweiß zu sein, ist hier Programm

Hamburger Abendblatt vom 04/05. Oktober 2008

Wellness auf hohem Niveau, eine grüne Umgebung - und die Ostsee liegt auch direkt vor der Tür.

Da sitzen wir nun zu zweit in der Bernsteingrotte, von Kopf bis Fuß weiß mit Kreide geschlämmt, und kommen uns komisch vor. Schon rieselt warmer Regen von der Decke, tropischer Dampf hüllt uns ein und lässt die Schlacken langsam bröckeln. Danach ein Tässchen Sanddorntee im Ruheraum, dieser Kissenkuschellandschaft mit Sphärenklängen im Hintergrund. So exotisch, so wohltuend kann ein Vormittag im Hotel "Bernstein" beginnen, gefolgt von einer sanften Massage mit jenem gehärteten Harz aus der Ostsee, das diesem Haus zu Namen und Philosophie verholfen hat: "Ganzheitlich Erleben und Wohlbefinden für den Gast, im Bernstein liegt die Kraft", so das etwas holprige, aber wahre und wirkungsvolle Motto eines angenehmen Hauses, das auf dem Steilufer über dem Meer thront, ein paar Schritte von der Selliner Seebrücke und dem breiten Sandstrand entfernt.

Das sanfte Meeresrauschen setzt sich vielfältig im großen Spa-Bereich fort, nicht nur im Therapieraum, der sich auch "Meeresrauschen" nennt, sondern auch im "Wellenläufer" und in der "Bernsteinbucht". Wie wird da wohl die gemütliche Bar nebenan heißen, nostalgisch eingerichtet im Stil der frühen Dreißigerjahre, mit Panoramablick? Na klar, es ist die "Bernstein-Lounge", wo Cocktails wie der "Schutzengel" serviert werden, auf der Basis südlicher Früchte und so gesund wie die Küche von Detlef Nützmann.

Seit der Eröffnung des Hotels im Jahre 1995 trägt sie seine Handschrift, leicht und regional ausgerichtet. Inzwischen hat er aus dem Reich einen Familienbetrieb gemacht, Ehefrau Marina und Sohn Sandro unterstützen ihn. "Genuss mit gutem Gewissen" heißen die Angebote, mit denen sich gesundheitsbewusste Genießer schön und schlank essen können. Truthahngratin gehört dazu "Kreidefelsen" nennt sich dieses Gericht, und "Wellengang", das sind Knoblauch-Garnelen auf gebratenen Glasnudeln, und nicht zu vergessen die Wissower Klinken, eine Terrine aus Frischkäse mit Ahornsirup.

Das 72-Zimmer-Haus strahlt auch jenseits des Wellness-Bereichs eine behagliche Atmosphäre aus. Direktor Thomas Dorissen hat vor zwei Jahren mit viel Aufwand, Geschmack und Liebe zum Detail das Haus renovieren lassen. Die Zimmer und Suiten sind hell und fröhlich möbliert und mit Stillleben des Hamburger Fotografen Jochen Tack anspruchsvoll dekoriert: Kiesel am Küstensaum, Bambus und, natürlich, Bernsteine sind seine Motive. Ein Teil der großzügig geschnittenen Räume - selbst die Standardzimmer haben 28 Quadratmeter Grundfläche - sind in Grün- und Beigetönen gehalten. Andere, vor allem im "neuen" Haus mit dem direkten Ostseeblick, strahlen mit ihren roten Wänden eine warme Vitalität aus, die zum Stil des Hauses passt.

Schon oft ist dieses Hotel für seine Mischung aus gepflegter Gastlichkeit, hohem Wellness-Niveau und traumhafter Lage ausgezeichnet worden, vom Deutschen Wellness-Verband zum Beispiel bekam es das Prädikat "sehr gut". Außerdem wurde es zum "Viersterne-Superior-Hotel" hochgestuft. Bei aller Noblesse ist es aber ein fröhliches Haus, mit einem großen Herzen für Kinder. Viermal in der Woche wird den Kleinen ein fantasievolles Programm im eigenen Club geboten.

Sandra Dorissen, die Frau des Chefs, von Haus aus Betriebswirtin, aber längst "gelernte" Wellness-Managerin, leitet den Spa-Bereich, der Ambra heißt, lateinisch für Bernstein. Das Goldgelb des baltischen Schmucksteins prägt nicht nur den noblen Eingang, sondern auch viele Behandlungsformen. Wer trotzdem weder Bernstein noch Heilkreide auf der Haut spüren mag, kann blockierte Energieströme auch mit Anti-Stress-Massagen, Reiki oder schlichtem Joggen in der grünen Umgebung lösen. Oder er dreht gleich frühmorgens seine Runden im Innenpool, mit Blick aufs Meer und bei klarer Sicht auf die berühmten Kreidefelsen. So sieht der gesunde Auftakt zu einem Urlaubstag aus, für dessen weitere Gestaltung die Dorissens ihren Gästen jeden Morgen gedruckte Empfehlungen auf den Frühstückstisch legen, das "Selliner Bernsteinblatt".