Weißes Gold und Bernsteinschimmer

Weltexpress, vom 01.05.2009

Das Hotel Bernstein in Sellin setzt auf die gesundheitsfördernde Wirkung von Heilkreide, Bernstein und Sanddorn

Kreideweiß vom Gesicht bis zu den Zehen hocken wir in der Bernstein-Grotte. Eingeschlämmt mit dem "weißen Gold" von Rügen, der 1995 wieder entdeckten Heilkreide. Wasserdampfschübe entfalten die Tiefenwirkung des weichen, joghurtartigem Schlamms und halten ihn feucht, so dass er nicht bröselt. Zu 98 Prozent besteht die Heilkreide aus reinem Calciumcarbonat. Ihre besondere gute Speicherfähigkeit von Wärme und Kälte zeigt positive Wirkung bei rheumatischen Erkrankungen, Gelenkbeschwerden, Verspannungen, Neuralgien und Hauterkrankungen. Nach 20 Minuten rieselt warmer Regen von der Decke, um die schlacken wieder abzuwaschen.

In der Kissenkuschellandschaft der Bernstein-Bucht steht schon ein Glas Sanddorn-Tee bereit. Sanddorn, die "goldene Zitrone des Nordens" kommt nicht nur als Vitamin-C-Spender bei zahlreichen Kreationen in der Küche zum Einsatz, sondern auch im Wellness-Bereich des Hotel Bernstein in Sellin. Als drittes "Produkt" der Ostseeinsel wird inzwischen auch der Bernstein selbst für Massagen und Peelings angewandt. Bei Ostwind und mit etwas Glück kann man das fossile Harz immer noch an den Stränden der Insel finden. Ein besonders großes Stück kam beim Bau des 4-Sterne-Superior-Hotels vor 14 Jahren zum Vorschein. Es wurde zum Namensgeber und glitzert seit dem in einer Vitrine in der Hotel-Lobby.

Auf der Hochuferpromenade oberhalb der 1998 wieder errichteten Selliner Seebrücke thront das weiße 72-Zimmer-Haus, das Thomas Dorissen vor sieben Jahren übernahm. Alle Zimmer haben direkten oder seitlichen Meerblick. Vor drei Jahren wurde das Hotel komplett renoviert und um den Ambra Spa-Bereich erweitert. Rot, beige und bernsteinfarben sind die vorherrschenden Töne in den geräumigen Zimmern, im Restaurant und in der Lounge im Stil der 30er Jahre.

Auch die Speisekarte klingt nach Rügen und Mee(h)r. Heimische Wild- und Fischvariationen verwöhnen den Gaumen. Beim 4-Gang à la carte-Wahlmenü kann der Halbpensionsgast auch leichte Kost wählen: Den "Rügendamm" (Vollkornspagetti mit Pestogemüse und Früchten des Meeres), den "Wellengang" (Knoblauch-Garnelen auf Glasnudeln) oder das "Leuchtfeuer" (Perlhuhnbrust auf Kartoffel-Maronenpüree). Als Dessert locken die "Wissower Klinken" (Zimt-Frischkäsecreme mit gedünsteter Birne), die "Ostseeboje" (karamellisiertes Obst vom Blech mit Walnusseis) oder die "Zitrone des Nordens, das Sanddornparfait.

Ehefrau Sandra Dorissen leitet den 750 Quadratmeter großen Spa-Bereich Ambra (lateinisch für Bernstein) mit Indoor-Pool mit Ostseeblick, Sauna, Fitness- und Wellness-Oase sowie Kinderclub. Wer weder Kreideschlamm noch Sanddorn-Öl bei einer Bernstein-Massage auf der Haut spüren möchte, für den gibt es noch eine Reihe weiterer Anwendungen mit Algen, Meersalz oder Klangschalen. Auch Reiki, Qi Gong, Wirbelsäulengymnastik, Pilates oder Nordic Walking sind im Angebot.

Als Ausflug zum Thema Kreide bietet sich ein Besuch der 70 Millionen Jahre alten Kreidefelsen im Nationalpark Jasmund zwischen Sassnitz und Lohme an. Sie stehen unter Naturschutz und ragen als Viktoria Sicht oder Königsstuhl bis 118 Meter aus der Ostsee. Das Kreidemuseum Gummanz gibt einen Einblick in die Entstehung, den Abbau und die Weiterverarbeitung des "weißen Goldes"